Vier Tage in Santiago de Compostela und gesunde Rückkehr


Das richtige Gefühl der Vollfüllung meines Pilgermarsches verbunden mit Dankbarkeit dafür und eine große Zufriedenheit überkam mich erst am nächsten Tag, Samstag, den 18. Mai, besonders während der Mittags-Pilgermesse, wo während der Heiligen Messe mit Abendmahl bei 2 bis 3 Tausend Andächtigen bei mir und vielen im Raum manche Tränen flossen. Dieser Gottesdienst findet täglich um 12 Uhr für die Pilger statt und sie werden von dem Bischof oder einem Priester besonders erwähnt. Da aber nur spanisch oder lateinisch gesprochen wurde, konnte man kaum etwas verstehen. Am Ende des Gottesdienstes wird an manchen Tagen der riesige Weihrauchschwenker ( bo-ta-fu-me-i-ro) von zwei Mönchen hereingetragen, an ein dickes Seil sehr vorsichtig befestigt und mit Hilfe von 6 - 8 Mönchen sehr hoch durch die Kathedrale geschwungen zum Erstaunen aller Anwesenden. Eine Nonne sang dazu in herrlicher Harmonie. Ich konnte diese Gottesdienste mit dem Schwingen des Weihrauchgefäßes noch zweimal miterleben. Es gab natürlich viel Anderes hier zu bewundern einschließlich eine Figur von Sankt Jakob. Die zweiteilige Orgel war ein Prachtstück. Während des Gottesdienstes traf ich mich hier wieder mit Klaus und Maggie, Meriam, Neli und Herkide, Johanna, die Nonne und Johann aus Litauen.

Die Kathedrale in Santiago de Compostela

Wir hatten alle erfahren, daß es im sehr teuren Parador Hotel, aus alter Tradition, für die ersten 10 Pilger ein freies Essen zu Frühstück, zu Mittag und am Abend gab. Es gab das gleiche Essen welches das Küchen Personal bekam. So hatte ich mich jedesmal angestellt und habe nur eine Mahlzeit verpaßt. Wir beteiligten uns an diesem alten Brauch nicht nur um etwas Geld zu sparen, sondern auch, damit dieser uralte Brauch weiter bestehen bleibt. Während diesen Mahlzeiten traf ich mehrere Pilger wieder : Manon aus Kanada, Johann (Litauen), Adam and Nicky aus Montreal und Winipeg, eine Pilgerin aus Mexico, sowie Silke und Irvana aus Deutschland. So langsam mußten wir uns von einander verabschieden. Aber vorher, also am Sonntag, den 19 Mai, fuhr ich mit Dietrich in einem Bus nach Finisterre und dann zu Fuß zum Cap Finisterre, dem westlichsten Teil Europas. Wir wollten diesen Weg von 93 km nicht unbedingt auch noch laufen (ein 6 Tage Weg hin und zurück) aber Graciela, Birgit, Otto und Andrea sollen es versucht haben. Von der Hafenstadt Finisterre mußten wir dann weitere 4 km laufen, ehe wir wirklich den letzten Zipfel Europas erreichen konnten. Es war vor der Entdecking Amerikas wirklich das Ende der Welt. Dies war an einem herrlichen, sonnigen Tag, die Luft war klar und rein und man konnte ‚fast bis nach Amerika' schauen. Wir setzten uns einzeln auf die Felsen und ließen unsere Gedanken wandern, besonders bußen, beten und danken. Manon war auch irgendwo in der Nähe. Sie wollte hier ihre Wanderschuhe verbrennen, ebenfalls Tradition. Meine Schuhe waren mir dafür zu wertvoll. Es gibt vielleicht keinen besseren Ort als diesen, um nach so einer bemerkenswerten Tat, der Vollendung des 800 km Pilgerweges nach Santiago de Compostela, wieder innere und äußere Ruhe zu finden.

Letztes Pilgrim-Kreuz am Cap Finisterre

Nach langer Zeit, wie lange war es wohl?, mußte ich leider den Rückweg antreten, aber Dietrich wollte bis zum nächsten Bus bleiben. Ich eilte zurück und dort traf ich die 5-jährige Ivana mit ihrer Mutter, Silke, aus Deutschland. Ivana, die ununterbrochen quasselte, erzählte mir (und allen im Bus) daß sie mit ihrer Mutti DEN CAMINO GELAUFEN WÄRE, in ihrem Fall 260 km. Ihre Mutter trug alles Gepäck sowie eine Kindergeige, auf der Ivana täglich üben mußte. Bei einem freien Essen spielte sie uns etwas vor und ich habe es sogar auf Tonband. Ich half Beiden Unterkunft in Santiago zu finden. Mit dem Pilgergutschein, der COMPOSTELA soll man verbilligte Rückflüge erhalten und tatsächlich bekam ich am Montag damit 50 % Ermäßigung für einen Rückflüg am Dienstag direkt nach Gatwick/England. Den Tag verbrachte ich mit Wiedersehen sagen, Einkäufen, den Rucksack gut verpacken und ausruhen. Mein Rucksack wog 14 kg auf dem Heimweg. Nun muß ich noch einen besonderen Pilger erwähnen. Es war Johann aus Litauen. Er erzählte uns, daß er bereits 3000 km gelaufen wäre, durch viele Länder und er wollte von hier nach Rom und dann Jerusalem pilgern. Während ich ‚nur' ein und einen halben Pilgerpaß mit 45 Stempeln aufweisen konnte, hatte er zehn von diesen und alle mit Stempeln gefüllt, die er Allen stolz herumzeigte. Er hatte schon lange kein Geld mehr und wurde von vielen Pilgern geholfen. Natürlich hatte ich ihn auch für einen Tag versorgt. Er hat meine Adresse. Ob er mir je schreiben wird? Er erzählte mir, daß er seine Frau und Tochter in einem Autounfall verloren hätte.

Ansicht von Santiago de Compostela

Ich hatte mir die Namen und Nationalitäten von 64 Pilgern notiert sowie die Adressen von 27 von ihnen erfaßt. Ich habe an alle 27 geschrieben und Vielen Fotos geschickt und fast alle haben mir geantwortet. Endlich, im November, habe ich doch noch Marianne nach vielen Mühen gefunden. Sie teite mit, daß sie immer noch meinen Wanderstab im Auto liegen hat, irgendwo in Süd-Spanien. Dieser Pilgermarsch nach Santiago de Compostela wird in meiner Erinnerung für immer und ewig ein Ereignis bleiben als das Beste, das ich geplant, gewagt und vollendet habe. Ich werde auch lange, lange daran zehren.

Gott sei gelobt und gedankt, denn er gab mir die Kraft es auszuführen und er war sicher bis ans Ende an meiner Seite.

GOTTHARD , auch BRUNO genannt.

Ich hatte mich verpflichtet, anläßlich dieser Pilgerreise für eine spezielle Krebsforschung, Breakthrough Breast Cancer = Durchbruch Krebs Forschung mindestens 1500 Euro zu sammeln. Ich habe nach einem Jahr insgesamt 3300 Euro überweisen können. Allen Spendern hiermit nochmals herzlichen Dank.

Rückseite Haupt Postkarten