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Hintergrund und Einleitung - 2 |
Das Wetter war zwischen Mitte April und Mitte Mai ungefähr so, wie ich es erwartet hatte, noch ziemlich kalt des nachts bis fast zu einer Hitze gegen Mittag mit Temparaturen zwischen etwas unter Null Grad bis fast an die 30 Grad. Ein oder zweimal war Eis auf den Pfützen am frühen Morgen und natürlich auch drei oder viermal Schnee in den höheren Bergen. Das Wetter war allgemein sehr gut auf der ganzen Tour. 28 Tage lang hatte ich gar keinen Regen, nur manchmal bedrohliche dunkle Wolken. Aber am 29. Tag öffnete sich der Himmel und ein richtiger Wolkenbruch kam hernieder. Ich war in meiner Regen Ausrüstung gut vorbereitet und konnte in einer winzig kleinen Bar, einige hundred Meter entfernt, Unterkunft finden, zusammen mit mehreren andern Pilgern. Wir nutzten alle diese Zeit um Imbisse einzunehmen. Danach blieb es etwas kühler und es regnete leicht bis hin nach Santiago.
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Im Schnee am höchstenTeil in den Pyreneen |
Die Übernachtungsplätze, also ‚refugios' genannt, viele von ihnen schon vor Hunderten von Jahren als schlichte Ruheplätze gegründet oder benutzt, sind ganz verschieden. Ich habe niemals eine Pension oder ein Hotel benutzt, was andere Pilger taten. Einige Herbergen waren in Klostern, z.B. in Roncasvalles, Santo Domingo de la Calcada, Leon oder Samos. In Klostern brauchte man für Unterkunft nichts bezahlen, aber man gab trotzdem eine Spende ähnlich, wie in anderen Stellen, zwischen 6 und 10 Euro pro Nacht.In den Kloster-Herbergen war immer alles sehr sauber und gut geregelt und man wurde freundlich aufgefordert an der Abendmesse teilzunehmen, wobei immer herrlich gesungen wurde, ganz besonders in Leon. Der Bürgermeister der kleinen Stadt Larrasoana leitete das ‚refugio' gleich neben seinem Büro. Er war ein lustiger Mann der alle Pilger einzeln in seinem Büro abfertgte, den Pilgerpaß stempelte, uns vieles über seine Stadt und über den CAMINO (in Spanish) erzählte, uns die Jakobsmuschel anbot und am Ende jedem eine breite, lange, gelbe Schleife schenkte, die ich mit nach Hause brachte. Die Herberge in Belorado war ein Notunterkunft, da die normale ausgebessert wurde und bestand aus einer Art Scheune oder Garage mit doppel- oder dreistöckigen Kojen für ungefähr 30 männliche und weibliche Pilger, aber wir hatten nur 1 Toilette, 1 Waschbecken und 1 Dusche. Es war alles ein bischen eng, aber an diesem sonnigen, warmen Nachmittag haben wir uns alle vertragen. Eine andere ungewöhnliche Herberge fand ich in Sambol, gleich nach Burgos. Bis dahin hatte ich schon einige Pilger und Pilgerinnen befreundet und es waren Maria und Marianne, die unbedingt dort übernachten wollten. Das war nicht auf meinem Plan, aber ich macht mit. Da ich etwas voran gelaufen war, machte ich den kleinen Umweg dorthin um heraus zu finden, ob es überhaupt offen war. Tatsächlich war ich der erste Pilger dort und der Leiter Udo, hieß mich willkommen. Er hatte erst einen Tag vorher geöffnet. Die beiden Mädels folgten etwas späterund dazu kamen noch 6 weitere Pilgerinnen. Es war hier nur Platz für 12 Pilger und wir waren 9. Es war bekannt, daß Sambol kein Elektrisch, keine Toiletten, keine Duschen und keine Waschbecken hatte. Es gab hier nur ein Springbrunnen in 40 Meter Entfernung mit einem großen Becken, aber eiskaltem Wasser, sowie Felder ringsherum mit einigen Büschen. Das Wasser sollte aber hier medizinisch sehr gut für die Füße sein. So bin ich also hier mit 8 Frauen gelandet. Es war ein heißer, sonniger Nachmittag, gefolgt von einer Vollmondnacht. Udo kochte uns Allen eine schmackhafte Nudelsuppe auf Gas, das mußte uns genügen. Es war hier kein Mensch weit und breit zu sehen, kein Dorf, nichts. Wir fanden diese Abwechslung ausgezeichnet. Auf dem Weg hierher hatte ich meine Brille verloren, die ich leider nie wieder fand. Über das Verlieren ist das so: Wenn man 35 Tage lang in ganz engen Zuständen hausen muß, eigentlich nur die Bettfläche als ‚Heim' betrachten kann und alles aus dem Rucksack jeden Tag aus- und einpacken muß, meistens in Eile und oft im Finstern des Morgens, so ist es kein Wunder, daß man etwas verliert. Ich habe Socken und Ohrenstöpsel, wichtege Reisebeschreibungen für den folgenden Tag und andere kleine Sachen verloren. Aber meine Geduld habe ich niemals verloren. Die meisten anderen Herbergen waren sehr angenehm und wurden noch besser in der Provinz Galicia, die Provinz vor Santiago. Wir waren alle derselben Meinung, daß die beste Herberge in Ribadiso de Baixo neben dem Fluß Iso am Tag 30 war. Man schätzt die ‚refugios' nach dem Zustand von 1). den Duschen, 2). den Betten und Zimmern und 3). dem Leitungspersonal ein. Das Wasser in den Duschen kann entweder kalt, lauwarm, heiß oder dauernd heiß sein. Das Letzte leider selten. Einmal, in Palas de Rei, fanden wir die Duschen ohne Vorhänge oder Türen,wie bei den Soldaten. Also wurde ich von den drei Mädels beauftragt, die Tür zum Duschraum (mit meinem Leben) zu bewachen. Wieder eine andere Aufgabe für mich!
Für die meisten Nächte war mein neuer Schlafsack warm genug, aber einige Male mußte ich meine warme Jacke anbehalten. In den meisten Fällen war grundsätzlich keine Heizung in den Zimmern. Ein viel größeres Problem waren die Schnarcher. Wir waren in Räumen zwischen 4 und 40 (manchmal sogar mehr) Pilgern zusammen, jung und alt, männlich und weiblich und es waren die weiblichen, Verzeihung!, einige der männlichen Pilger, die viel schnarchten und wie! Schnarche ich auch? Niemand hatte sich beschwert. Man mußte sich die Schnarcher merken und ihnen so weit, wie möglich aus dem Wege gehen. Es war nicht immer einfach. In einem Falle hatte ich mich geweigert in einem Zimmer mit einem bekannten Schnarcher zu wohnen. Außer Sambol, das natürlich sauber und gut geleitet wurde, gab es in dem verlassenen Bergdorf, Manjarin bei Alcebo noch ein anderes außergewöhnliches ‚refugio'. Ein Franzose namens Tomas hatte dort in den Ruinen und fast auf dem höchsten Punkt (1500 Meter) des ganzen Weges eine Art Unterkunft, meistens für die Bedürftigsten, eingerichtet. Ja, es hatte eine Art Toilette, aber eine sehr freundliche, warme Atmosphäre. Ich machte dort einen Besuch. Ein warmes, offenes Feuer brannte und man gab mir eine Tasse Kaffee. Ich plauderte etwas mit Tomas, er stempelte meinen Pilgerpaß, aber ich vergaß ihn zu fotografieren. Vor einiger Zeit hatte man dem Tomas, er war eine Art Einsiedler, das Elektrische abgeschnitten. Er sollte in seiner "Bude" keine Pilger unterbringen. So setzte er sich tagelang vor das Elektrizitäts-Gebäude in Leon und begann einen Hungerstreik bis nachgegeben wurde. Ein feiner Kerl! Ich machte mir eine extra Liste von der ganzen Ausrüstung, die ich tragen mußte und auch in welchem Beutel oder welcher Tasche ich dieses und jenes finden könnte. Außer meinem tiefroten Rucksack, durch den ich von weitem erkennbar war, fand ich die kleine, schlanke Taschenlampe, die mir Markus schenkte, fast am Wertvollsten. Besonders Morgens um 6 Uhr, wenn ich beim Aufstehen niemand stören wollte. Genau so wertvoll waren mir der dünne Reisewecker und die warme Unterjacke. Ich hatte meinen neuen Wanderstock kaum benutzt und wenn mich Marianne ungefähr nach dem halben Weg bat, ihr diesen Stock zu leihen, da sie so viel Ärger mit Blasen hatte, habe ich nätürlich zugesagt. Ich lief dann voran, habe sie aber leider nie wieder gesehen. Sie blieb weiter und weiter zurück. Wir hatten auch keine Adressen getauscht. Fast 6 Monate später habe ich mit viel Mühe mit ihr wieder Kontakt aufgenommen. Meine guten Pilgerfreunde Lothar und Werner aus dem Ruhrgebiet, die ich schon am 2. Tag kennen lernte, hatten sich sogar entschlossen, ihre vier Stöcke und noch einiges Überflüssiges in einem Paket nach Hause zu senden (sie waren Schwäger). Sie überredeten mich ebenfalls ein Päckchen zu packen und ich schickte etwa 2 kg ab. Leider hatte ich meine extra Brille mit dabei, die ich später brauchte. Das taten wir am 7. Tag in Logrono, doch das Porto war ziemlich teuer.
Meine tägliche Nahrung. Mir war es lieber, jeden Morgen ohne Frühstück loszulaufen. Ich verzehrte nur eine Banane und trank etwas von dem dicken Pfirsichsaft. Viele Andere mußten aber erst frühstücken, entweder in der Herberge mit eigenen Nahrungsmitteln oder in der ersten Bar am Weg (wenn man so früh eine finden konnte). Es gab auch manchmal Frühstück in einer Herberge gegen eine kleine Spende. Dadurch hatte ich immer etwas Vorsprung (mit Technik!) Nach ein oder zwei Stunden fand ich meistens eine Bar und erlaubte mir ein Kännchen Tee. Meine englische Pint Flasche = 568 ml in meinem Hüftbeutel hatte ich täglich mit diesem schmackhaften, dicken Pfirsichsaft (melocoton) gefüllt und das reichte mir für den ganzen Tag. Es gab ja hin und wieder Springbrunnen mit frischem, kühlen, gutschmeckendem Trinkwasser.
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Eine kurze Mittagspause. Ich trinke meinen Pfirsichsaft. |
Die Bars oder Cafes waren aber nicht immer dort zu finden, wo man gerne eine hätte oder manchmal wurden sie erst später eröffnet. Ja, und auf der Hochebene, der meseta, gab es einfach gar keine. Deswegen trug ich immer einen extra Beutel mit etwas Verpflegung für den Tagesmarsch. Wenn möglich, besorgte ich mir jeden Nachmittag oder abends (die meisten Läden sind ja zwischen 2 und 5 nachmittags geschlossen) Folgendes: Eine Stange Brot, 1 Liter Pfirsichsaft, 3-4 Bananen, 1-2 Kiwifrüchte, 1 Apfelsine, 2 x Yoghurt, 1-2 Tomaten, Schmierkäse statt Butter und eine Tafel Schokolade. Abends haben wir dann versucht ein Restaurant zu finden um eine anständige Mahlzeit mit reichlich Wein zu genießen.
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